Bridge und Gemeinnützigkeit

Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass Bridge zwar kein Sport, Turnierbridge aber gemeinnützig sei.

Bridge gemeinnützig? Was sind die Vorteile?

Meine Internetrecherche ergibt hierzu folgende potenzielle Vorteile (dies ist keine Rechtsberatung):

  • Spenden können von der Steuer abgesetzt werden.

Ich habe schon mehrfach gehört, dass diverse Banken durchaus prinzipiell förderungswillig sind, Turniere aber bislang nicht gesponsort haben, weil sie die Spenden nicht von der Steuer absetzen konnten.

Ich spiele häufiger in Polen Turniere. Dort sind an beiden Seiten des Spielorts große Plakatständer aufgestellt, auf denen verschiedene Sponsoren Werbung machen. Aus welcher Branche könnten potenzielle Sponsoren kommen? Der Hauptsponsor für Bridge (und auch für Schach) in Polen ist Budimex, ein Baukonzern (ob der Konzern dachte, Bridge habe etwas mit Brücken zu tun, sei mal dahingestellt).

  • Erleichterter Zugang zu öffentlichen Gebäuden: niedrigere Saalmieten

In Polen finden Bridgeturniere grundsätzlich in einer Sporthalle statt. Die Startgelder sind dort wesentlich niedriger, die Preisgelder viel höher. Von dem Teilnehmerzahlen gar nicht zu sprechen …

  • Theoretisch kann man staatliche Zuschüsse oder sonstige Hilfen beantragen.

Wie das in der Praxis aussehen könnte, weiß ich nicht.

  • Steuervorteile, wenn Bridgevereine durch ein Testament oder Vermächtnis finanziell bedacht werden (es fallen keine Erbschafts- und Schenkungssteuern an).
  • Bridgevereine können Übungsleiterpauschalen (§ 3 Nr. 26 EStG) für den Empfänger steuerfrei gewähren. Dadurch könnten Bridgelehrer billiger werden, weil sie bei ihrer Honorarberechnung nicht mehr die abzuführende Steuer berücksichtigen müssen .
  • Imagevorteile (im Vergleich zu nicht gemeinnützigen Vereinen)
  • Zivildienstleistende können beschäftigt werden (dies betrifft vermutlich nur sehr wenige Clubs in Deutschland)

Potenzielle Nachteile der Gemeinnützigkeit für Bridge-Vereine:

engere Vorgaben für das Ausgabe- und Investitionsverhalten des Vorstands (Gebot der zeitnahen Mittelverwendung, Einschränkung bei der Bildung von Rücklagen etc.)

Organisatorisches

Jeder Verein kann beim Finanzamt die Gemeinnützigkeit beantragen. Inwiefern die Mustersatzung des DBV für die Gemeinnützigkeit ausreicht, kann ich nicht beurteilen.

 Bridge als Sport? Was wären die Vorteile?

Bridge als Sport wurde abgelehnt. Bridge und Schach seien zwar vergleichbar (hinsichtlich der Organisationsstrukturen und der Anforderungen an die Teilnehmer sowie positive Auswirkungen), Schach sei aber nur aufgrund einer gesetzlichen Fiktion einer Sportart gleichzustellen, aber nicht tatsächlich ein Sport. Daher könne Bridge nicht als Sport (wofür es auf eine Leibestätigkeit ankommt) gewertet werden.

Die Vorteile wären im wesentlichen de Zugang zu öffentlichen Sportfördergeldern gewesen. Beim Schach sind dies anscheinend etwa 130.000 Euro pro Jahr, wovon u. a. ein hauptamtlicher Bundestrainer bezahlt wird.

In Italien ist Bridge als Sport anerkannt. Dort floriert Bridge seit Jahrzehnten.

Nachtrag:

Kai-Ulrich Benthack, der Präsident des DBV, hat für die Juni-Ausgabe des Bridge-Magazins einen Leitfaden angekündigt.

Den aktuellen Stand (aus Sicht des DBV) können Sie hier nachlesen.

 

Mehr über die rechtsdogmatischen Einzelheiten der Begründung können Sie z. B. hier nachlesen.

 

Frage- und Antwortkatalog zur Gemeinnützigkeit

Die Oberfinanzdirektion Niedersachsen hat einen Frage-Antwort-Katalog zur Gemeinnützigkeit erstellt.

Weitere News rund um Bridge

Ein weiteres spannendes Thema ist zur Zeit, die Wladow-Elinescu-Hustenaffäre, die im Mai 2017 in die nächste Runde gegangen ist.

2 responses... add one

´Herr Benthack hat im Juni 2017 Heft einen Leitfaden für die Gemeinnützigkeit angekündigt.
Jetzt haben wir Juli und es ist noch nichts passiert.

Im August-Heft (S. 40f.) erscheint ein ausführlicher Artikel zur Gemeinnützigkeit, der durch begleitende Unterlagen auf der DBV-Homepage unterstützt werden soll.
Demnach soll die Beantragung der Gemeinnützigkeit optional bleiben. Nicht gemeinnützigen Vereinen kann eine Förderung durch den DBV z. B. bei Sportfesten verwehrt werden, weil der DBV sonst seine Gemeinnützigkeit zu verlieren drohe, so der Präsident des DBV Benthack.

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