Erfolgreicher Bridge spielen – Weak Twos und andere Preempts Teil 1

Um erfolgreicher Bridge zu spielen, sind Sperransagen von grundlegender Bedeutung. Nach welchem Kriterium eröffnen Sie Preempts?

Dieser Artikel erläutert die Regel von 2, 3 und 4 als Entscheidungsgrundlage, wonach man bei günstiger Gefahrenlage (Nichtgefahr gegen Gefahr) für ein Weak Two 4 Stiche benötigt, bei gleicher Gefahrenlage 5 und bei ungünstiger (Gefahr gegen Nichtgefahr) 6.

Die Regel von 2, 3 und 4 ist viel genauer als die weit verbreitete, aber nicht sonderlich vielsagende Definition „6er Länge und 5-10 Figurenpunkte“ für ein Weak Two und erlaubt eine gefahrenangemessene Eröffnung. Wenn Sie sich an diese Kriterien halten, sind Ihre Eröffnungen aggressiv, aber gleichzeitig auch diszipliniert. Deshalb können Sie und Ihr Partner leichter das gemeinsame Offensivpotenzial einschätzen (gehen 4♥/4♠? Ist ein Schlemm denkbar? Ist eine Verteidigung billig?) und das gemeinsame Defensivpotenzial.

In diesem Artikel wird außerdem erklärt, wie man die Stichzahl leicht ermitteln kann.

Beispiele

Angenommen, Sie spielen Weak Twos oder Multi:
Würden Sie mit den folgenden Händen ein Weak Two oder eine andere Sperransage eröffnen?

Board 1: Sie sind Teiler, alle in Gefahr, Teamturnier

N
Nord
KDB1094
43
104
D72

 

 

 

 

Board 2: Sie sind Teiler, keiner in Gefahr, Paarturnier

N
Nord
D87643
D8
108
D74

 

 

 

 

Board 3: Sie sind Teiler, alle in Gefahr, Paarturnier

N
Nord
9
KB8752
B86
A64

 

 

 

 

Board 4: Der rechte Gegner hat gepasst. Keiner in Gefahr. Paarturnier.

N
Nord
3
92
K92
K987532

 

 

 

 

Die Regel von 2, 3 und 4

Um zu prüfen, ob meine Hand stärkemäßig zu einer Sperransage passt, wende ich die Regel von 2, 3 und 4 an. Richtig angewendet kann der Partner danach den richtigen Kontrakt gut abschätzen und die Gegner fühlen Sich unter Druck gesetzt. Was könnte besser sein?
Die Regel von 2, 3 und 4 sagt Ihnen, wie viele Stiche Sie bei der aktuellen Gefahrenlage für jede Sperransage benötigen. Anschließend bewerten Sie Ihr Blatt danach, ob es die erforderliche Stichzahl mitbringt.
Schritt 1: Wie viele Stiche sage ich an?
Nach dieser Regel schauen Sie sich im ersten Schritt an, wie viele Stiche Sie ansagen.
Wenn Sie ein Weak Two eröffnen wollen, also auf 2er Stufe eröffnen, sagen Sie 8 Stiche an, wenn Sie auf der 3er Stufe eröffnen, sagen Sie 9 Stiche an und wenn Sie auf der 4er Stufe eröffnen 10 Stiche.
Schritt 2: Wie viele Stiche kann ich abziehen?
Von dieser Stichzahl ziehen Sie 2, 3 oder 4 je nach Gefahrenlage ab – daher auch der Name dieser Regel.
Wenn Sie z. B. überlegen, ob Sie ein Weak Two eröffnen können, benötigen Sie
bei günstiger Gefahrenlage 8 anzusagende Stiche – 4 = 4 Stiche auf der eigenen Hand.
bei gleicher Gefahrenlage 8 anzusagende Stiche – 3 = 5 Stiche
bei ungünstiger Gefahrenlage 8 – 2 = 6 Stiche.
Wenn Ihr Partner keinen Stich mitbringt und der Gegner Sie kontriert, fallen Sie einmal zu oft, als dass es eine günstige Verteidigung gegen ein Vollspiel wäre – rechnen Sie das nach!
Ihre tatsächliche Stichzahl sollte von der so errechneten Stichzahl höchstens um einen halben Stich abweichen.
Schritt 3: Stiche zählen – ein Algorithmus
Sie müssen zwei Fragen beantworten:
1. Wie stark sind Ihre Figuren?
2. Haben Sie Längenstiche?
Wie stark sind Ihre Figuren?
Nehmen Sie nur Ihre Karten bis zur 10 und geben Ihrem Partner drei kleine Karten gegenüber, wie viele Stiche haben Sie dann? Für jeden einfachen Schnitt zählen Sie sich einen halben Stich, für jeden Doppelschnitt runden Sie 0,75 Stiche auf einen ganzen Stich auf. Ohne Mittelkarten können Sie sich auch überlegen, abzurunden.

Farbhaltung Anzahl Stiche
AKD 3 Stiche
AKB, ADB 2,5 Stiche
AK, KDB, 2 Stiche
AD10 2 Stiche (1,75 Stiche)
AD, KB10, KDx 1,5 Stiche
A, DB10 1 Stich
KBx 1 Stich (0,75 Stiche)
Kx 0,5 Stiche
DBx 1 Stich (0,75 Stiche) (FORUM D
empfiehlt, sich hier nur einen halben Stich zu geben)
Dxx 0,25 Stiche. In einer Nebenfarbe ist Dxx etwas mehr wert (siehe unten).
D10x 0,5 Stiche (aufgerundet von 0,375)

Wie zählt man die Längenstiche?
bei 4-6er Länge, wenn Farbe nicht sehr gut ist
4. Karte 0,5 Stiche
jede Karte ab der 5. 1 Stich
wenn Farbe sehr gut ist
jede Karte ab der 4. 1 Stich
ab 7er Längen
jede Karte ab der 4. 1Stich

Nun zurück zu den Beispielen von oben: Gehen Sie am besten in jeder Hand die drei Schritte durch, bevor Sie die Lösung lesen.
Board 1: Sie sind Teiler, alle in Gefahr, Teamturnier

N
Nord
KDB1094
43
104
D72

Sie benötigen für ein Weak Two in Pik etwa 5 Stiche.
Sie haben in Pik 5 Stiche. Die dritte Treffdame ist etwas mehr als einen Viertelstich wert. Stellen Sie sich vor, Ihr Partner hat das Treff Ass. Sie können dann später zu seinem ♣ A spielen und zurück zur Dame. Der Expass sitzt in der Hälfte der Fälle. Sie hätten dann 1,5 Stiche. Sie haben daher 5,25 bis 5,5 Stiche, was der Obergrenze für ein Weak Two bzw. der Untergrenze für eine 3er Stufeneröffnung entspricht. Da Ihr Partner bei einer 3er Eröffnung von einer 7er Länge ausgeht, Sie in Gefahr sind und Ihre Verteilung (6223) flach ist, ist dies ein Maximum-Weak Two.

Board 2: Sie sind Teiler, keiner in Gefahr, Sie spielen Paarturnier

N
Nord
D87643
D8
108
D74

Sie benötigen für ein Weak Two 5 Stiche. Entspricht Ihr Blatt fünf Stichen?
Dxx entspricht etwa einem Viertelstich. Sie haben in Pik also etwa 3,25 Stiche. Die double ♥ D ist besser als ein kleines Double, aber weniger als die dritte Dame. Es kann einfach passieren, dass Ihr Partner das ♥ A hat, der Gegner seine Unterfarbstiche abspielt und Sie anschließend auf einem Coeurverlierer sitzen bleiben. Ich würde ♥ D8 als einen Viertelstich bewerten.
Die dritte Treffdame ist etwa einen viertel bis einen halben Stich wert (s. o). Insgesamt kommen Sie auf höchstens 3,75 Stiche, viel zu wenig für ein Weak Two. Sie passen daher.

Board 3: Sie sind Teiler, alle in Gefahr, Sie spielen Paarturnier

N
Nord
9
KB8752
B86
A64

Wenn Ihr Partner ein kleines Double in Coeur hat, können Sie zweimal zu ♥ KB spielen. KBx zählen Sie als einen Stich (optimistisch betrachtet). Da die Farbe keine Mittelkarten hat, geben Sie sich 2,5 Längenstiche. KBxxxx ist daher etwa 3,5 Stiche wert.
Etwas ausführlicher: Sie erzielen damit etwa in der Hälfte vier Stiche, nämlich wenn die Coeurs 3-2 stehen (68%) und eine der Figuren davor ist (50%). Wenn beide davor (25%) sind, erzielen Sie fünf Stiche. Wenn beide dahinter sind 3 Stiche. Wenn die Farbe 4-1 steht, haben Sie auch weniger Stiche.
Es ist keine exakte Wissenschaft, wie Sie die Stiche ermitteln. Im Schnitt hat man wohl etwas weniger als 4 Stiche.
Der dritte Karo Bube ist besser als drei kleine Karos. Wenn Ihr Partner z. B. ♦ KD hält, haben Sie nun zwei sichere Stiche in Karo, statt auf einen doppelten Expass angewiesen zu sein.
Wenn Ihr Partner nur kleine Karokarten hat, spielt der ♦ B gar nicht mit. Im Schnitt ist so eine Karte vielleicht einen Viertelstich wert (wie etwa die double Dame).
Das ♣ A ist einen Stich wert.
Sie haben daher etwa 4,75 Stiche. Bei gleicher Gefahrenlage können Sie daher ein Weak Two eröffnen.

Würden Sie die nächste Hand auf der 3er Stufe eröffnen?

Board 4: Der rechte Gegner hat gepasst. Keiner in Gefahr. Sie spielen Paarturnier.

N
Nord
3
92
K92
K987532

Kxx ist ein halber Stich, die vierte bis 7. Karte zählen Sie voll als Längenstiche, daher haben Sie in Treff 4,5 Stiche.

Gerechtfertigt werden kann dies auch durch die folgende Überlegung:
Wenn Ihr Partner ein kleines Single in Treff hat, haben Sie 3 bis 5 Stiche, wenn er ein kleines Double hat, haben Sie 4 bis 6 Stiche. Im Mittel würde ich von etwas weniger als 5 Stichen ausgehen.
In Karo ist der dritte König etwas mehr als einen halben Stich wert (wenn die dritte Dame einen halben Stich wert ist), aber weniger als einen ganzen, vielleicht 0,75 Stiche?
Sie kommen daher höchstens auf 5,75 Stiche, wenn Sie die Treffs als volle 5 Stiche zählen. 5,75 Stiche könnte man zu 6 Stichen aufrunden. Am Tisch ziehe ich dann zusätzliche Überlegungen heran. Ist keiner in Gefahr oder sind beide in Gefahr? Habe ich versteckte Defensivwerte? Wie wahrscheinlich ist ein Fit beim Gegner? Wieviel braucht der Partner, damit 3NT geht? In welcher Position bin ich (in 3. Hand kann man freizügig eröffnen, in 2. Hand sollte man konservativ sein, weil man nur einen Gegner, aber potenziell auch den Partner sperrt).
Bei so schlechten Farben kann sich Ihr Partner nicht mehr auf eine sichere Stichquelle verlassen: Stellen Sie sich vor, Sie spielen 3NT und Ihr Partner bringt ♣ AB mit. Dann haben Sie noch nicht sicher 7 Treffstiche, weil die Farbe 3-1 oder 4-0 stehen kann. Außerdem kann es sein, dass Sie nicht einmal mehr zu den Treffs kommen und Ihre Hand „tot“ ist, etwa wenn der Karoexpass nicht steht oder aber der ♦ K durch das Ausspiel oder Nachspiel vor dem Etablieren der Treffs weggespielt wurde.
Da Ihre Treffs recht schlecht sind und und Sie in zweiter Hand sind, ist die Hand ein klares Pass.

Vor- und Nachteile
Wenn Sie diese Regel befolgen, werden Sie nicht mehr jede Hand in der Range 6 bis 10 Figurenpunkte mit einem Weak Two oder auf der 3er Stufe eröffnen, sondern selektiver sein. Ihre Eröffnung sind aggressiv, aber gleichzeitig auch diszipliniert. Der Hauptvorteil ist, dass Ihr Partner viel genauer weiß, wie viele Stiche Sie haben. Damit kann er viel genauer die gemeinsame Stärke abschätzen, z. B. bei der Frage, ob ein Vollspiel oder ein Schlemm geht, aber auch, ob eine Verteidigung lukrativ sein kann oder nicht. Durch Ihre Eröffnung helfen Sie Ihrem Partner, bessere Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig sperren Sie den Gegner, dem die bloße Information der Stichzahl nicht so sehr hilft. Das ist eine sehr lukrative Situation, wenn Sie Bridge spielen.

Weitere Artikel

Wie Ihr Partner auf Sperransagen, reagiert, folgt in einem späteren Artikel, der bald erscheinen wird.

Wie man als Gegner auf Sperransagen reagieren sollte, können Sie hier nachlesen.

Multi stellt eine sinnvolle Alternative zu Weak Twos dar. Warum das so ist und wie Multi genau funktioniert, erfahren Sie in diesem Übersichtsartikel!

Um mehr über andere Konventionen oder andere Aspekte der Reizung zu erfahren, klicken Sie auf die jeweiligen Links.

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