Was sind Rusinov-Ausspiele und wann sollte man sie anwenden?

Bei Rusinov-Ausspielen vereinbaren Sie mit Ihrem Partner, von einer Sequenz (2er, unterbrochene 3er Sequenz oder noch stärker) die zweithöchste Karte auszuspielen, von KD also die Dame, von AKD den König usw. In diesem Artikel, der für Spieler ab etwa Landesligaspielstärke, aber auch für Experten geeignet ist, wird die Ausspielmethode erklärt.
Anschließend werden Vor- und Nachteile erörtert. Im Ergebnis ist Rusinov gegen Farbkontrakte keine gute Idee, gegen NT-Kontrakte ist Rusinov dem Standardausspiel hingegen überlegen, wenn man vom dem praktischen Problem absieht, an Rusinow denken zu müssen.

Sydney Rusinow (ein US-amerikanischer Experte) hat diese Methode in den 30er Jahren erfunden.

Unterschied zwischen Rusinov und normalen Ausspielen

Um den Unterschied zwischen Rusinov- und normalen Ausspielen besser zu verstehen, sollte man sich vergleichend anschauen, welche Karte jeweils ausgespielt wird:

Ich gehe dabei davon aus, dass Sie von AK blank den König ausspielen, was ganz nützlich ist (der König ist eine ungewöhnliche Karte und weckt den Partner auf, dass man gerade etwas ungewöhnliches tut, ein sog. wake-up-Signal).

 

normale Ausspiele                 Rusinov-Ausspiele

A         AKx, leeres As, Ax                 leeres As (eventuell AK blank)

K         KD, AK blank  oder Kx           AKx oder Kx

D         DB oder Dx                            KD oder Dx

B         B10, KB10 oder Bx                DB oder Bx

10        109, K109, D109, (A109)       B10 oder 10x

oder 10x

9          9x                                           K109, D109 (A109 gegen NT)

 

Bei normalen Ausspielen hat man das Problem, dass man das leere Ass nicht so gut von AKx unterscheiden kann.

Bei Rusinov-Ausspielen hat man das Problem, dass der Partner bei dem Ausspiel von einer double Figur denken könnte, dass man die darüberliegende Karte hat.

Ausspiele von Kx, Dx und Bx sind hinreichend selten, von 10x kommen sie aber häufiger vor.

Vor- und Nachteile:

Wenn die Haltung in einer Nebenfarbe in einem Farbkontrakt etwa so ist:

.
N
North
D654
.
W
West
103
E
East
AK98
.
S
South
B72
.

muss man raten, den König zu legen, das Ass zu spielen und dem Partner einen Schnapper zu geben.

.
N
North
D654
.
W
West
B103
E
East
AK98
.
S
South
72
.

sollte man klein bleiben. König, dann Ass, dann Schnapper würde nur so mäßig gut funktionieren …

Andererseits ist das Ausspiel vom leeren Ass selten richtig. Daher würde ich von Rusinov gegen Farbkontrakte abraten.

Warum Rusinov gegen NT-Kontrakte?

Mir ist kein Weltklassepaar bekannt, dass Rusinov gegen Farbkontrakte spielt, gegen NT ist es eine recht verbreitete Konvention.

Warum ist das so?

Gegen Sans Atout-Kontrakte kann man Rusinov mit dem König als power-lead kombinieren:

A         AKx oder eine andere Haltung, von der man mit dem Ass anfangen will

K         AKB10, KD109, Partner soll deblockieren oder übernehmen und die Farbe

zurückspielen. Wenn er das nicht kann, markiert man die Länge.

D         KD, Partner soll aber nicht deblockieren oder übernehmen (KD10x z. B. je nach Reizung).

B         DB oder ADB

10        B10, KB10, AB10

9          109, Q109, A109

 

Wenn man den Ass als power-lead mit normalen Ausspielen gegen Farbe spielt (was einige Paare tun), sähe es so aus:

A         AKB10x oder ähnliche Haltungen, der Partner soll deblockieren oder seine Länge markieren

K         von AKx oder KDx

D         DB, ADB oder KD109 (der Partner soll den Buben legen, wenn er ihn hat)

B         B10 oder KB10 oder AB10

10        109 oder D109 oder K109

9          gibt es nicht

 

Bei normalen Ausspielen ist es für den Partner nicht so leicht zu erkennen, ob er mit dem Buben auf das König-Ausspiel positiv oder negativ markieren soll. Bei KDx sollte er, bei AKx sollte er es nicht tun.

Es würde auch nicht helfen, den König als power-lead zu spielen (und Ass und Dame als neutral), so dass man von KDx oder DBx die Dame ausspielt. Dann hätte der Partner das gleiche Problem mit dem Buben oder der 10.

Gegen Sans Atout-Kontrakte, bei denen man normalerweise von der Länge ausspielt, ist Rusinov also theoretisch besser.

Rusinov gegen Farbe – potenzielle Ausnahmen?

Man kann auch vereinbaren, stets Rusinow gegen Farbe auszuspielen, wenn nicht eine der unten stehenden Ausnahmen greift. Alle Regeln sind optional.
Kein Rusinow:

  • in der Farbe des Dummys
  • in Partners Farbe (auch nach eigener Hebung, weil man manchmal eine leere Figur ausspielen möchte)
  • das Ausspiel in einer Seitenfarbe nach eigenem Preempt
  • Partner hat mindestens 15+ F (oder das Äquivalent zu einem starken NT) gezeigt (dann wird das Ausspiel von einer Double Figur attraktiver)
  • nach eigener Eröffnung, wenn man die ausgespielte Farbe nicht auf 2er Stufe zurückgereizt hat, obwohl man konnte

Beachten Sie, dass die Definitionen von „Farbe des Dummys“, „Partners Farbe“ präzisierungsbedürftig sind.

Was sollte man bei Rusinov noch mit seinem Partner klären?

Einige Zusatzregeln sollte man noch beachten:

  • Spielt man automatisch Rusinov, wenn man 2./4. mit dem Partner vereinbart hat?

Nein! Ich kenne Spieler, die das tun, aber z. B. in Polen (dem Mutterland von 2./4.) spielt praktisch kein Paar Rusinov. Dafür gibt es auch keine Notwendigkeit.

  • Viele Paare haben die Vereinbarung, dass man gegen Sans Atout-Kontrakte Rusinov nur von bekannten 4+-Längen ausspielt.
  • In Partners Farbe spielt man nie Rusinov aus, weil man sehr oft eine double Figur hält und diese Ungewissheit (Sequenz oder double Figur) Spannungen erzeugt.
  • In der Trumpffarbe spielt man auch kein Rusinov aus.
  • Einige Paare haben auch die Vereinbarung, in bekannten langen Farben (die man gereizt hat) gegen Farbe Rusinov auszuspielen. Das ist theoretisch auch sinnvoll, um ggfl. das leere Ass anzuzeigen. In der Praxis wird es oft vergessen.
  • Das gleiche kann ich auch aus leidvoller eigener Erfahrung über Rusinov-Ausspiele ab 5er Stufen-Kontrakte berichten. Es ist wesentlich einfacher, zu vereinbaren, dass man von AK den König ausspielt und ansonsten die höhere der Sequenz.
  • Einige Paare haben auch Rusinov-Ausspiele vereinbart, wenn der Alleinspieler gesperrt hat. Der theoretische Grund ist hierfür, dass man in dieser Sequenz relativ oft vom leeren Ass ein Ass ausspielen will, um den Tisch zu sehen, so dass man AK vom leeren As unterscheiden möchte.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wenn man zwei verschiedene Methoden spielt, muss man mehr aufpassen, als wenn man immer die gleiche Methode spielt.

Gewöhnen Sie sich am besten die Markierungsmethode an, die in Ihrem Umfeld am weitesten verbreitet ist. Das erhöht Ihre Kompatibilität zu anderen Spielern und macht Sie zu einem begehrteren Partner.

Weitere Artikel

Wenn Sie sich noch weitere Artikel zum Gegenspiel anschauen wollen, finden Sie hier eine Übersicht. Weitere Artikel zur Reizung finden Sie hier.

Im MyBridge Trainer können Sie übrigens alle Ausspielmethoden nach Ihrer Wahl einstellen, schauen Sie sich doch einfach mal völlig unverbindlich die Demoversion an.

 

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