Multi-Landy ausführlich erklärt. Lernen Sie alle Feinheiten von Multi-Landy kennen.

Multi-Landy ist eine sinnvolle Bridge-Konvention gegen eine gegnerische 1NT-Eröffnung. Sie kann sowohl in zweiter Hand als auch in vierter Hand nach (1NT) – p – (p) angewendet werden.
Wenn der Gegner einen starken oder schwachen NT eröffnet, stehen Ihnen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

Gegner Wir Unser Gebot Bedeutung
1NT ?
2♣ beide Oberfarben mindestens zu viert, normalerweise mindestens neun Karten in
beiden Farben (Landy)
2♦ eine Oberfarbe mindestens zu 6. (Multi). Mit 5332 ist pass fast immer besser.
2♥ 5+♥ und eine 4+Unterfarbe
2♠ 5+♠ und eine 4+Unterfarbe
2NT beide Unterfarben, jeweils mindestens zu 5. Achtung: Sie riskieren die 3er Stufe.
Sie sollten eher eine 6-5- als eine 5-5- Verteilung haben.
Zwei gute 5er Farben wie ♠ x ♥ xx ♦ AD108x ♣ KD109x sind ok.
Gegen einen schwachen NT kann man 2NT auch als 20/21 spielen.
3♣ etwa 12-16 Figurenpunkte mit einer guten 6er Farbe gegen einen schwachen NT.
Gegen einen starken NT: Sperransage
3♦ etwa 12-16 Figurenpunkte mit einer guten 6er Farbe gegen einen schwachen NT.
Gegen einen starken NT: Sperransage
Kontra Strafkontra, ab etwa 16 Figurenpunkten (kein Pflichtgebot)

Der Name Multi-Landy setzt sich also aus der Kombination von Landy (2♣) und Multi (2♦) zusammen, wobei die 2♦-Gegenreizung nie eine starke Bedeutung hat.
Wenn das X eine 4er Oberfarbe und eine längere Unterfarbe zeigt, spricht man normalerweise von Woolsey (benannt nach dem us-amerikanischen Bridge- und Backgammon-Experten Kit Woolsey).

Wie weicht FORUM D von diesem Standard ab?

In FORUM D 2015 wird beschrieben*, dass das Kontra gegen einen starken NT eine 6er Unterfarbe (oder länger) zeigt und gegen einen schwachen NT ein Strafkontra ist, das mindestens die Obergrenze der gegnerischen NT-Eröffnung verspricht, mindestens jedoch 14 Figurenpunkte. Also gegen einen 13-15 verspricht das Kontra 15+Figurenpunkte, gegen einen 12-14 NT 14+Figurenpunkte.

Zur Folgereizung nach 2♥ und 2♠

Typischerweise wird 2NT als künstlich gespielt. Es fragt nach der Unterfarbe. 3♣ und 3♦ sind zeigen natürlich eine eigene Farbe und dienen lediglich der Kontraktverbesserung (nicht-forcierend, es wird keine besondere Stärke versprochen).

Wie es beim Bridge oft der Fall ist, sind die Folgereizungen nach bestimmten Konventionen nicht standardisiert. Alternativ können Sie auch spielen, dass 2NT mindestens einladende Stärke zeigt und 3♣/3♦ pass or correct sind. Sie können diese Sequenz analog zur Michaels-Sequenz Gegner 1♥ – Ihr Partner 2♥ – Gegner passt – Sie 2NT/3♣/3♦ handhaben.

In FORUM D PLUS 2015 ist 2NT übrigens einladend, 3♣ pass or correct und 3♦ eine eigene lange Farbe.

Wie stark sollten die jeweiligen Reizungen sein?
Beim Bridge drohen die meisten Strafkontras nach einer 1NT-Eröffnung (das stimmt nicht ganz, nach natürlichen Rekontras drohen noch mehr Strafkontras). Warum ist das so?
Der Gegner kennt die gemeinsame Stärke und kann damit einschätzen, ob es sich eher lohnt, Richtung Vollspiel zu gehen oder aber die sicheren Faller mitzunehmen. Außerdem kann er nach einer 1NT-Eröffnung das Defensivpotenzial leichter einschätzen. Wenn die Hände nicht gut zusammen passen und man wenig „Material“ hat, ist es sehr schwer, 8 Stiche zu erzielen. Den Gegner aufgrund von Masse strafzukontrieren, ist daher für die Verteidigung oft die beste Option.
Für die 2♣-Gegenreizung wird dies ausführlich im Landy-Artikel besprochen.
Für die 2♥- und 2♠-Gegenreizung gilt Ähnliches, allerdings muss man etwas stärker sein. Überlegen Sie sich mal, warum das so ist?

Antwort

Wenn man in der Unterfarbe spielen will, wird man auf die 3er Stufe gezwungen. Bei Landy kann man auf der 2er Stufe spielen (und notfalls 2♣ passen mit langen Treffs).

[collapse]

Die genaue Stärke hängt von vielen Faktoren ab, die im Landy-Artikel ausführlich besprochen werden.
Gegen einen starken NT sollte man etwa 5-5 mit 10 ordentlichen Figurenpunkten (in den langen Farben und ggfl. Mittelkarten) haben.
Bei 54 hängt es davon ab, ob man 5431 oder 5422-verteilt ist. ♠ KD109x ♥ xx ♦ AD10x ♦ xx oder ♠ x ♥ KD108x ♦ AB108 ♣ xxx ist in Nichtgefahr ok, in Gefahr würde ich es auch reizen, mich aber unwohl fühlen.
Gegen einen schwachen NT sollte man sich etwa an den Anforderungen für eine Gegenreizung auf der 2er Stufe orientieren: Bei 54 sollte man 13 sehr gute oder 14 ordentliche Punkte haben. Bei 55 reichen 11 sehr gute oder 12 ordentliche Punkte.
Dies liegt daran, dass 3NT aufgrund der gemeinsamen Masse ein denkbarer Endkontrakt ist und eine zu weite Spanne zu viel Druck auf den Partner ausübt, die richtige Höhe des Kontrakts einzuschätzen.
Für die 2♦-Gegenreizung ist gegen den starken NT eine gute 6er Farbe mit etwas Verteilung ok. Der obstruktive Aspekt (= Sie erschweren dem Gegner die Reizung durch Ihre Zwischenreizung) steht gerade in Nichtgefahr im Vordergrund. ♠ KD109xx ♥ xxx ♦ xxx ♣ x wäre in Nichtgefahr ausreichend. In Gefahr/Nichtgefahr muss man aufpassen, nicht bereits aufgrund der Masse kontriert zu werden. In Gefahr sollte man daher aus eigener Kraft etwa 5 Stiche haben, wenn man eine recht schwache Hand hat. ♠ xxx ♥ KDB108x ♦ xxx ♣ x wäre ausreichend.
Für die 2♦-Gegenreizung gegen einen schwachen NT sollte man wesentlich stärker sein. Es gelten etwa die Grundsätze für die Gegenreizung auf der 2er Stufe: Eine 6er Farbe mit 12 ordentlichen Figurenpunkten entspricht etwa dem Minimum.

Wo liegt die Obergrenze?

Die Obergrenze wird etwa durch das Strafkontra definiert, wobei man mit 16 Punkten durchaus noch auf der 2er Stufe reizen kann. Als Faustregel gilt: Wenn die Hand gegen eine Farberöffnung auf 1er Stufe eine normale Gegenreizung wäre, reizen Sie Ihre „Farbe(n)“. Wenn Sie gegen eine Farberöffnung mit einem Stärkekontra anfangen, können Sie das hier auch tun.

Stärke der 3♣/3♦-Gegenreizungen

Für die 3♣/3♦-Gegenreizungen gegen den schwachen NT müssen Sie eine schicke Hand haben, etwa 12-16 Figurenpunkte mit einer guten 6er Farbe. Je schwächer Sie sind, desto eher sind die Figuren in den langen Farben. ♠ Kx ♥ Dx ♦ xxx ♣ AK109xx wäre meilenweit weg von einer 3♣-Gegenreizung, ♠ xxx ♥ Axx ♦ x ♣ AKB10xx gerade so denkbar.

Gegen den starken NT sind die 3♣/3♦-Gegenreizungen Sperransagen.

Soll man mit jeder Hand ab 16 Punkten kontrieren?
Nein. Ein Kontra ist recht riskant. Je schwächer Sie sind, desto wichtiger ist es, dass Sie ein gutes Ausspiel haben.
Soll man das Kontra gegen einen schwachen NT (oder ultraschwachen NT) mit weniger als 16 Punkten reizen?
Nein. Dies macht es dem Partner, schwerer das gemeinsame Stichpotenzial abzuschätzen.
Was sollte man mit einer 6-4-Verteilung reizen?
Faustregel: Wenn Sie die Hand immer als Einfärber verkaufen, machen Sie wenig falsch. Ab etwa 13 konzentrierten Punkten, kann man die Hand auch als 6-4-Hand zeigen.
Je schwächer die Hand ist, desto eher empfiehlt es sich, die Hand als Einfärber zu verkaufen.
Stellen Sie sich vor, die beiden Hände sind so verteilt:

N
Nord
2
D852
A874
A942
Ausspiel: K
S
Süd
A98753
43
KD32
7

In 2♠ können Sie es sich meistens erlauben, drei Piks und zwei Coeurs abzugeben.
In 3♦ haben Sie als sichere Stiche zunächst nur die beiden Asse und brauchen 7 Karostiche. Die Piks können Sie mangels Übergängen bei einem gegnerischen 4-2-Stand nicht schnell genug hochspielen. 7 Karostiche kann der Gegner durch wiederholtes Trumpfspielen verhindern. Manchmal wird man 3♦ erfüllen, 2♠ sind aber wesentlich sicherer – trotz der schlechten Piks und des recht guten Karofits.
Der 6-1-Fit lebt davon, dass Sie die Längenstiche in der 6er Farbe kassieren können, die im 4-4-Fit möglicherweise einschlafen.
Je schwächer Ihre Hand ist, desto weniger Übergänge haben Sie, um die Piks hochzuspielen und desto eher sollten Sie lieber im 6-1-Fit als im 4-4-Fit spielen.
Je schneller Sie Ihre Piks hochspielen können (z. B. wenn Sie ♠ AKxxxx haben oder noch stärker sind) oder je mehr Übergänge Sie in die Hand haben, desto besser spielt sich der 4-4-Fit.

Mit 6-4 in den Oberfarben und einer guten Hand, kann sehr schnell ein Vollspiel gehen:

N
Nord
4
KB876
8642
542
Ausspiel: K
S
Süd
AK9865
AD102
93
7

Der 5-4-Coeur-Fit sorgt dafür, dass trotz 17 Figurenpunkten 4♥ hervorragend ist. Mit Ihrer guten 6-4-Hand sollten mit Landy anfangen und über Partners 2♥ 2♠ sagen (siehe auch im Landy-Artikel).

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
1NT
2
Pass
2
Pass
2

Der Partner würde mit einem 5er Coeur oder einer Hand wie ♠ Dx ♥ KBxx ♦ xxxx ♣ xxx wissen, dass seine Hand sehr hilfreich ist.

Warum ist es besser, 2♥ als 5er Coeur und 4er+ Unterfarbe zu spielen. Kann man nicht einfach mit 5er Coeur und 4er UF oder mit einem 6er Coeur 2♥ natürlich reizen und sich den Merkaufwand sparen?
Ja und nein. Ja, Sie würden mit beiden Händen 2♥ reizen. Dies ist allerdings riskant: Wenn Sie 2♥ als natürlich spielen, wird Ihr Partner mit einem Single Coeur immer passen, auch wenn der Gegner kontriert. Dann kann 2♥ ein Desaster sein, wohingegen 3UF mit einem Fit kein Problem darstellt.
Wenn Sie systemgemäß einen Zweifärber zeigen können, verringern Sie das Risiko einer Zwischenreizung.
Es lohnt sich daher, auf die natürliche Bedeutung der 2♣- und 2♦-Gebote zu verzichten.

Fazit: Multi-Landy ist eine Bridge-Konvention, die sich lohnt.

Weitere Artikel

Auf dieser Seite gibt es noch viele weitere Artikel, mit denen Sie Ihr Bridge verbessern können, z. B. Ihre Reizung oder Ihr Gegenspiel.
Nichts hilft mehr als die Praxis. Schauen Sie sich doch mal den MyBridge Trainer an.

* Mit * gekennzeichnete Links sind Werbelinks.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.