Leitlinien zum guten Gegenspiel im Bridge

Das Gegenspiel im Bridge setzt sich aus vier Komponenten zusammen:

  1. Erfolgreiche Ausspiele
  2. die richtige Behandlung einzelner Farben
  3. strategische Entscheidungen treffen: aktiv oder passiv spielen, Partners Farbe zurückspielen oder die Farbe wechseln, Forcingverteidigung usw.
  4. Hände auszählen

Ausspiele

Im Bereich Ausspiele gibt es derzeit zwei Artikel, einen für Clubspieler bis etwa Landesliganiveau, einen für noch weiter fortgeschrittene Spieler (in Arbeit). Außerdem werden die Ausspielmethoden Rusinov und Journalist Ausspiele (leads) beleuchtet.

Die richtige Behandlung einzelner Farben

Es ist nicht sonderlich wichtig, dass Sie alle Wahrscheinlichkeiten aus der englischsprachigen Bridgeenzyklopädie* richtig beherrschen. Gemeint ist vielmehr, dass Sie alle Stiche in einer Farbe erzielen, die Ihnen zustehen (also z. B. nicht Stiche durch eine Blockade der Farbe verhungern lassen) und dem Alleinspieler keine Stiche schenken.

Je nach Position (als Ausspieler zum jeweiligen Stich, in der zweiten, dritten oder vierten Hand) ist diese Aufgabe unterschiedlich schwierig.

In vierter Hand ist es normalerweise recht einfach, eine Farbe richtig zu behandeln. Sie gewinnen den Stich billig (es gibt Ausnahmen) oder lassen den Alleinspieler bei Stich.

In zweiter Hand fahren Sie mit der Regel zweite-Hand-klein gut, solange Sie darauf achten, dass der Alleinspieler keine Stiche durchmogeln kann. Natürlich ist das vereinfacht: Es gibt auch zu dieser Regel zahlreiche Ausnahmen, die ein starker Spieler natürlich beherrscht, die aber nicht so oft vorkommen.

Die richtige Farbbehandlung ist vor allem in erster und in dritter Position wichtig.

Es gibt zahlreiche Grundregeln wie dritter-Mann-so-hoch-er-kann, dritter-Mann-so-hoch-wie-nötig, Deblockademanöver, Übernehmen und vor allem Schnitte in allen Facetten (Impass, Expass, Doppelschnitt, Schnitt durch Vorlegen und noch andere exotische Varianten). Diese Techniken werden im MyBridge Trainer Dritte Hand Gegenspiel ausführlich eingeübt. Dort finden Sie auch zahlreiche Beispielhände.

Wenn Sie einzelne Farben im Wesentlichen richtig behandeln, sind Sie vermutlich bereits Clubspitze.

Strategische Entscheidungen treffen

Eine Beispielhand hierzu können Sie herunterladen, indem Sie auf das Bild oder hier klicken. Weitere Beispielhände werden folgen.

Bridge Gegenspiel - die richtige strategische Entscheidung treffen

In jedem Gegenspiel müssen Sie eine strategische Entscheidung treffen, die in eine der folgenden Kategorien fällt:

  • Forcingverteidigung
  • aktive Verteidigung
  • passive Verteidigung
  • Gegners Trümpfe wegspielen
  • eigene Trumpfstiche entwickeln

Bei einer Forcing-Verteidigung versuchen Sie, die Trumpfkontrolle zu übernehmen. Sie zwingen den Alleinspieler so oft zu stechen, dass er weniger Trümpfe hat als sie.

Aktiv oder passiv verteidigen

In jedem Gegenspiel müssen Sie sich entscheiden, ob Sie aktiv oder passiv zurückspielen wollen. Dies geht bereits im Ausspiel los.

Passiv zurückspielen bedeutet, den Alleinspieler seine Arbeit machen zu lassen. Sie versuchen, keine Stiche zu verschenken. Dies ist richtig, wenn der Alleinspieler nicht genügend eigene Stiche zur Verfügung hat.

Aktiv zurückspielen bedeutet, eigene Stiche zu entwickeln und dabei gleichzeitig zu riskieren, dem Alleinspieler Stiche hochzuspielen. Dies ist wichtig, wenn der Alleinspieler genügend eigene Stiche hochspielen (oder direkt abziehen) kann, so dass Sie ihm zuvorkommen müssen. Es liegt ein Wettrennen um das Entwickeln der Stiche vor.

Wie kann man den Unterschied erkennen?

Dies hängt von jeder einzelnen Hand ab.

Ganz abstrakt gesprochen müssen Sie in jeder Bridgehand die Gegenspieler die Fragen beantworten, wie viele Stiche der Alleinspieler hat und wie viele Stiche die Gegenspieler haben.  Dies ist natürlich schwierig, weshalb gute Spieler häufig lange nachdenken, um für verschiedene Konstellationen die jeweiligen Spielpläne und Stichzahlen auszurechnen – nur falls Sie sich mal gefragt haben, was der Clubexperte so tut, wenn er 5 Minuten in die Luft starrt …

Die Forcing-Verteidigung

Kriterien für eine Forcing-Verteidigung (die Kriterien richten sich frei nach dem Buch How the Experts Win at Bridge* von Hall und Rose-Hall):

  • An eine Forcing-Verteidigung sollten Sie immer denken, wenn Sie oder der Partner 4 oder mehr Trümpfe dagegen haben und
  • Sie eine Nebenfarbe haben, die Sie abspielen können.
  • Ganz besonders ist auch an eine Forcing-Verteidigung zu denken, wenn der Gegner im 4-3 Fit ist.

Aktiv sollten Sie verteidigen, wenn

  • die Stiche weglaufen können, z. B. weil der Alleinspieler seine Verlierer auf eine Nebenfarbe abwerfen kann.
  • Dies ist insbesondere auch der Fall, wenn Sie sehen, dass die Nebenfarbe friedlich steht (also z. B. die Farbe 5-2 beim Alleinspieler und 3-3 bei Ihnen steht).
  • Diese Situation liegt oft bei gegnerischen Farbschlemms vor, bei denen einer der Gegner eine Nebenfarbe gezeigt hat.

Passiv sollten Sie verteidigen, wenn

  • es keine Hinweise auf eine gute Nebenfarbe des Alleinspielers gibt oder
  • Sie sehen können, dass die Nebenfarbe schlecht verteilt ist und nicht hochgespielt werden kann.
  • Der Alleinspieler alles aus einer Hand machen muss, weil der Dummy sehr schwach ist.
  • Oft gegen 6NT-Kontrakte und fast immer gegen Großschlemms.

Sie sollten versuchen, die Trümpfe des Alleinspielers wegzuspielen, wenn

  • der Dummy (also die kurze Trumpfseite) auch eine Kürze hat. Denn Schnapper von der kurzen Trumpfseite sind zusätzliche Stiche für den Alleinspieler.
  • Dies gilt insbesondere, wenn man stark in der Nebenfarbe des Alleinspielers ist.

Zusätzliche Trumpfstiche können Sie erzielen, indem Sie

  • Gewinner des Alleinspielers stechen
  • durch Trumpfpromotionen (Upper Cuts) oder seltener durch Coup en passants.
  • Diese Verteidigungsart kommt meistens nur vor, wenn Sie erkennen können, dass zusätzliche Stiche für die Verteidigung nicht aus den Nebenfarben, sondern nur aus der Trumpffarbe selbst kommen können.
  • Mit einem Single oder Double können Sie auch an eigene Schnapper denken. Beachten Sie aber, dass eine Forcing-Verteidigung mit langen Trümpfen normalerweise lukrativer ist.

Hände auszählen

Was ist der Unterschied zwischen einem guten und einem sehr starken Spieler?

Ein sehr starker Spieler zählt alles mit! Er überlegt sich, von welchen Haltungen der Ausspieler ausgespielt hat, wer welche Figuren gezeigt hat und welche Figuren noch übrig bleiben können, wie einzelne Farben verteilt sind und wie daher die anderen Farben stehen.

Außerdem stellt der Experte regelmäßig hypothetische Überlegungen an, die etwa so aussehen, z. B. wenn der Gegner 3NT spielt:

Entweder hat der Partner die ♠ D oder der Alleinspieler hat sie. Wenn der Alleinspieler sie hat, hat er 9 Stiche und kann 3NT erfüllen. Also nehme ich an, dass der Partner sie hat.

Hände auszuzählen kann man nie auslernen. Das beste Buch* um dies zu üben, ist „Tödliches Gegenspiel“ im Bridge von Hugh Kelsey. Ein anderer Klassiker ist Dormer on Deduction: Inferential Reasoning in the Play of the Cards at Bridge*. Dies behandelt das Auszählen eher von der Seite des Alleinspielers.

Beide Bücher setzen voraus, dass man die richtige Farbbehandlung von Farben kennt und mit strategischen Möglichkeiten einigermaßen vertraut ist. Daher sollte man etwa Regionalliganiveau oder besser spielen (nach oben gibt es eigentlich keine Grenze, aber als starker Experte sollte man eigentlich alle Probleme lösen und Fehler im Buch finden können).

Selbstverständlich achtet ein starker Spieler auch auch die Markierungen seines Partners: Schauen Sie sich hier die Beispiele zu Lavinthal an (das dritte Beispiel ist auch für gute Spieler geeignet).

Weitere Strategieartikel zur Reizung

Wenn Sie diesen Artikel inklusive der Beispielhände zum strategischen Gegenspiel und dem Spiel in dritter Hand und der einzelnen Unterlinks verinnerlicht haben, schauen Sie doch mal in der Sektion Reizung um. Dort erfahren Sie einiges über gutes Judgement und sinnvolle Konventionen, z. B. Multi-Landy.

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