Konventionen im Bridge ausführlich erklärt: 2 Karo Multi

2 Karo Multi wurde in den 60er Jahren von Jeremy Flint und Terence Reese (ehemalige britische Nationalspieler im Bridge, Terence Reese war einer der bekanntesten Bridgespieler und -autoren) erfunden.

Bei Mini Multi beinhaltet die 2 Karo Eröffnung nur schwache Varianten, bei der klassischen Multi-Variante, wie sie im deutschen Bridge verbreitet ist, kann der Eröffner auch ein Semiforcing in einer UF oder eine starke NT-Hand (typischerweise 24/25) in der 2♦-Eröffnung haben. Welche anderen starken Varianten möglich sind, wird weiter unten ausführlich besprochen.

Wenn man 2 Karo Multi mit FORUM D (Plus) kombiniert, nutzt man die 2♣-Eröffnung als Eröffnung, die ein beliebiges Partieforcing oder einen 22/23 NT oder ein Semiforcing in einer Oberfarbe zeigt.

Während Multi in Deutschland und in ganz Europa sehr beliebt ist, ist es in den USA nur in den allerhöchsten Bridgeturnieren erlaubt, weil es als zu schwierig zu verteidigen gilt.

Ein naheliegender Vorteil dieser Eröffnung ist, dass man nur ein Gebot für die Weak Twos (2♥ und 2♠) benötigt und die frei gewordenen 2♥- und 2♠-Eröffnungen anderweitig nutzen kann (siehe ebenfalls weiter unten).

Anforderungen an die 2 Karo Eröffnung, wenn man die schwache Variante hält

Nur wenige Paare geben explizit Ihren Stil an. Ich empfehle die Regel von 2, 3 und 4. Theoretisch gesehen kann man Multi 2♦ etwas undisziplinierter eröffnen als ein Weak Two, weil der Partner nicht so gut die Sperre verlängern kann:

Wenn Ihr Partner z. B. ein 3er Coeur und ein 2er Pik hat, würde er gegenüber einem Weak Two in Coeur gerne bis 3♥ mithalten, gegenüber einem Weak Two in Pik ist dies nicht so klar.

Wenn Ihr Partner 2♥ (Weak Two) eröffnet, sagen Sie 3♥.

Eröffnet Ihr Partner 2♠ (Weak Two), passen Sie.

Wenn Ihr Partner Multi eröffnet, sagen Sie 2♠ (pass or correct, kurz paco, was im deutschsprachigen Raum pa-ko gesprochen wird).

Sie würden bei Multi also insgesamt die Sperre nicht so gut verlängern können. Der Vorteil liegt im „Erstschlag“. Für das Verlängern der Sperre ist es oft wichtig, zu wissen, wie viele Stiche der Partner in der Offensive und in der Defensive hat. Wenn diese Verlängerung wegfällt und der Sperreffekt auf dem Erstschlag beruht, können Sie daher eine etwas größere Range an Händen mit Multi eröffnen: Sie nehmen weniger Rücksicht auf Ihr Defensivpotenzial und auch weniger auf die eigene Stichzahl.

Welche Richtlinien hier eine gesunde Mischung aus Aggressivität und Sicherheit bieten, können Sie im vertiefenden Teil nachlesen.

Antworten auf Multi

Oberfarbantworten des Responders (der Partner des Multi-Eröffners) bis 4♥ sind pass or correct. Der Eröffner soll passen, wenn er die gereizte Farbe hat und seine Farbe zeigen, wenn er die andere Farbe hat. Mit einer starken Variante zeigt er diese.

Beispiele

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
2
Pass
2

Osts 2 bedeutet: „Ich möchte, dass Du mit den Coeurs passt. Mit den Piks sollst Du 2♠ sagen.“

Dies bedeutet, dass der Responder an den Coeurs nicht interessiert ist, an den Piks möglicherweise schon.

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
2
Pass
2

2 heißt: „Ich möchte, dass Du mit den Piks passt. Mit den Coeurs sollst Du 3♥ sagen.“

Dies bedeutet, dass der Responder an den Piks definitiv nicht interessiert ist, an den Coeurs aber schon, weil man in diesem Falle den Eröffner auf die 3er Stufe zwingt.

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
2
Pass
3

3sagt: „Ich möchte, dass Du mit den Coeurs passt. Da ich Dich gegenüber dieser Hand auf die 3er Stufe hieve, habe ich einen guten Coeurfit mit (normalerweise genau 3 Karten).

Mit den Piks sollst Du 3♠ sagen. Ich habe dafür ebenfalls mindestens drei Karten Unterstützung mit, vielleicht sogar mehr.“

Zu diskutieren: Was zeigt die 3♠-Antwort?

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
2
Pass
3

Eine denkbare Bedeutung von 3 ist:

„Ich möchte, dass Du mit den Piks passt. Da ich Dich gegenüber dieser Hand auf die 3er Stufe hieve, habe ich einen guten Fit mit (normalerweise genau 3 Karten Unterstützung).

Mit den Coeurs sollst Du 4♥ sagen. Gegenüber den Coeurs zwinge ich Dich in die 4er Stufe. Mit anderen Worten: Mir gefällt es besser, wenn Du Coeurs als Piks hast. Wahrscheinlich habe ich einen bessere Coeurfit als Pikfit (z. B. 4er Coeur und 3er Pik).“

Notabene: Dies sollten Sie mit Ihrem Lieblingspartner diskutieren. Man kann auch 3♠ als einladend mit eigener, echter Pikfarbe spielen, weil man diesen Hand sonst nicht zeigen kann. Je mehr Pikfit der Eröffner hat, desto eher wird er 4♠ sagen. Mit 3er Fit reicht eine normale Minimum-Eröffnung normalerweise aus. Mit einem Single sollte der Eröffner schon ein gutes Maximum haben.

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
2
Pass
4

4 ist ebenfalls pass or correct (paco). Ich möchte Partie gegenüber beiden denkbaren Weak Twos spielen, entweder weil ich so stark bin, dass ich denke, dass die Partie geht oder um den Gegner den Bietraum wegzunehmen.

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
2
Pass
4

4 zeigt eine eigene Farbe. Überlegen Sie sich mal, warum das so ist?

Es erscheint nicht sinnvoll zu sein, dass man gegenüber den Coeurs 5♥ spielen will, gegenüber den Piks 4♠. Mit einer sehr starken Hand kann man mit 2NT (Forcing Relay) anfangen, um das Schlemmpotenzial auszuloten.  Wenn man einfach nur lange Piks hat, will man schnell, 4♠ ansagen, bevor der Gegner Informationen austauschen und z. B. eine billige Verteidigung oder ein Strafkontra finden kann.

Andere Antworten

Ich empfehle auf, 2♦ 3♣ und 3♦ als forcierend zu spielen. Weitere Details können Sie im vertiefenden Teil nachlesen.

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
2
Pass
4

Die 4-Antwort wird normalerweise gespielt als:

„Partner, ich möchte, dass Du in Deine lange Farbe transferierst:

Mit den Coeurs sollst Du 4♦ sagen, mit den Piks 4♥.“

 

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
2
Pass
4

4 wird normalerweise gespielt als:

„Partner, sage bitte Deine Oberfarbe direkt an

Dies macht man, um den Partner ans Abspiel zu bringen (z. B., weil er eine Gabel halten könnte).

 

Das Forcing-Relay und Antworten hierauf

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
2
Pass
2NT

2NT wird gemeinhin als forcierendes Relay gespielt, das mindestens einladende Stärke verspricht (oder selten einen Bluff darstellt).

Der Antwortende hat mindestens einladende Stärke gegenüber beiden Farben. Warum ist das so?

Antwort

Wenn er nur Interesse an den Coeurs hat, kann er mit 2♠ anfangen (und so in 2♠ stehenbleiben).

Wenn er nur Interesse an den Piks hat, kann er mit 2♥ anfangen (und so in 2♥ stehenbleiben).

[collapse]

 

Auf das forcierende 2NT-Relay gibt es mehrere Antwortschemata.

Wenn Sie disziplinierte Weak Twos spielen, wie sie im Artikel über die Regel von 2, 3 und 4 beschrieben werden, empfiehlt sich das einfache, aber effektive Schema:

3♣       zeigt ein Coeur Weak 2 (W2), schwache Hand

3♦        zeigt ein Pik W2, schwache Hand

3♥        zeigt ein Pik Weak Two, gute Hand im Kontext

3♠        zeigt ein Coeur Weak Two, gute Hand im Kontext

Da der Antwortende gegenüber einem Maximum eine Partie spielen will, hat dieses Schema den Vorteil, dass stets der Antwortende spielt.

Kennen Sie diesen Trick?

Wie kann der Antwortende möglichst schnell in 4♥ kommen, wenn er die Coeurs und der Eröffner die Piks hat?

Er reizt 4♣ („Transferiere in Deine Farbe“) und passt dann Eröffners 4♥-Gebot („ich habe die Piks“).

Solche und andere Tricks und weitere Schemata mit detaillierter Folgereizung finden Sie in diesem Artikel.

 

Varianten – welche starken Hände werden in Multi gepackt

Es gibt noch eine ganze Reihe von starken Varianten, die in Multi gepackt werden. Abraten möchte ich von 18-19 balanced, weil dies in ein recht häufiger Handtyp ist und die Blattbeschreibung nach einer Multi-Eröffnung (und 2NT)-Rebid beiderseits erst mit 2NT losgeht, was für die eigene konstruktive Reizung sehr schlecht ist. Sinnvoll ist z. B. der Handtyp 24-25 balanced.

Weitere – durchaus sinnvolle Varianten – werden im kostenpflichtigen Artikel erklärt.

Vor- und Nachteile von Multi 2♦

Die Vor- und Nachteile von Multi vs. Mini Multi und Multi vs. Weak Twos werden als Hintergrundinformationen ausführlich im vertiefenden Artikel beschrieben.

Eine methodisch nicht ganz ausgereifte Untersuchung (leider im Internet nicht mehr verfügbar) hat gezeigt, dass 2♦ Multi im Weltklassebridge den Weak Twos unterlegen ist. Erfahrungsgemäß ist Multi gerade auf den niedrigeren Levels schwer zu verteidigen, weshalb Multi z. B. in den USA nur in wenigen Turnieren erlaubt ist.

Konvention gegen Multi

werden im kostenpflichtigen Artikel ausführlich besprochen.

Wie kann man die 2♥- und 2♠-Eröffnungen nutzen?

Es gibt hier je nach persönlichem Geschmack vier Hauptvarianten:

  • 2♥ und 2♠ zeigen einen Zweifärber mit der eröffneten Farbe mindestens zu fünft als Ankerfarbe und einer 5er (oder längeren) Unterfarbe.
  • Manche Paare spielen die 2♥-Eröffnung so, dass sie einen beliebigen 5+5+-Zweifärber mit Coeur als Ankerfarbe beinhaltet.
  • Andere Paare spielen die 2♥-Eröffnung so, dass Sie einen Oberfarbzweifärber zeigt (je nach Gefahrenlage: mindestens neun Karten in zwei Farben)
  • Früher wurden die 2♥- und 2♠-Eröffnung oft auch als Semiforcings genutzt. Mittlerweile werden Semiforcings eher in die 2♣-Eröffnung integriert oder in die 1♥/1♠-Eröffnung gefolgt von Gazzilli.

Am häufigsten gespielt werden meiner Einschätzung nach die Varianten 1) und 3).

Multi in der Wettbewerbsreizung

Wenn der Gegner nach 2 Karo Multi reizt, sollte man mit seinem Partner geklärt haben, ob das X ein pass or correct-Kontra ist oder ein eigenes Strafkontra ist. Ich empfehle es, das Kontra als paco-Kontra zu spielen.

Weitere kompetitive Stolpersteine werden im kostenpflichtigen Teil besprochen.

Um mehr über andere Aspekte der Reizung im Bridge zu erfahren, schauen Sie doch hier vorbei.

Ausführliche Artikel zum Gegenspiel sowie Computerhände finden Sie in der Sektion Gegenspiel.

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