Besser Bridge spielen – Verteidigung gegen Weak Twos und andere Preempts Teil 1

Basis einer guten Verteidigung gegen Weak Twos und andere Sperransagen ist, zu wissen, wie stark man für eine Gegenreizung sein sollte. Dieser Artikel stellt die 7er Regel vor, nach der Sie sich 7 Figurenpunkte beim Partner wünschen dürfen. Wenn dann der durch Ihr Gebot angesagte Kontrakt sehr gut ist, dürfen Sie Ihr Gebot wählen. Diese Regel funktioniert gut, weil 7 nützliche Figurenpunkte etwa der durchschnittlichen Stärke des Partners entspricht.

Gute Bridgespieler zeichnen sich dadurch aus, dass sie ihre Probleme meisterhaft lösen und den Gegner permanent vor schwierige Entscheidungen stellen. Wenn Sie gute Karten haben und der Gegner schwach ist, wird er versuchen, Ihre viel präzisere ungestörte Reizung zu unterbinden. Ein beliebtes Mittel hierzu sind die Sperransagen, etwa Weak Twos, Multi oder schwache 3er- oder 4er Eröffnungen. Diese Eröffnungen bereiten viele Probleme und sind daher oft gefürchtet.

Wie können Sie sich dagegen besser wehren und erfolgreicher Bridge spielen? Der Schlüssel liegt darin, zu wissen, wann Ihre Hand stark genug ist, um zu reizen und wann Sie besser passen sollten.

Beispiele

Ohne die 7er Regel im Detail zu kennen – was würden Sie mit den folgenden Händen reizen?

Board 1: Ost teilt, alle in Gefahr

N
Süd
AB10765
B4
42
AK10

 

 

 

 

Ost eröffnet 3Coeur. Was reizen Sie?

Board 2: Ost teilt, N-S in Gefahr

N
Süd
432
D2
ADB983
K10

 

 

 

 

Ost eröffnet 2Coeur(1). Was reizen Sie?

(1) Weak Two, 6er Coeur und etwa 6 bis 10 Figurenpunkte

 

Board 3: Ost teilt, N-S in Gefahr

N
Süd
52
63
AK2
KD8753

 

 

 

 

Ost eröffnet 2Pik(1). Was reizen Sie?
(1) Weak Two, 6er Pik und etwa 6 bis 10 Figurenpunkte

Ob eine Hand stark genug für eine Gegenreizung gegen eine Sperransage ist, mache ich anhand der Regel der 7 Figurenpunkte fest. Stellen Sie sich sieben perfekte Figurenpunkte beim Partner vor und einen Trumpffit (8-Karten-Fit). Geht dann der Kontrakt, den Sie ansagen? Wenn ja, ist ihr Gebot richtig. Ansonsten ist es zu aggressiv.

Die 7er Regel auf die Beispiele 1-3 anwenden

Wenden wir die Regel auf die Hände an. Welche Karten wünschen Sie sich beim Partner?

Board 1: Ost teilt, alle in Gefahr

N
Süd
AB10765
B4
42
AK10

 

 

 

 

In Board 1 wären sieben perfekte Figurenpunkte ♠ KD und die ♣ D. Damit hätten Sie neun Stiche von oben. Folglich haben Sie die Stärke für 3♠.

 

Board 2: Ost teilt, N-S in Gefahr

N
Süd
432
D2
ADB983
K10

 

 

 

 

In Board 2 wären 7 perfekte Punkte der ♦ K und das ♣ A. Damit hätten Sie 8 Stiche und sind nicht stark genug für 3♦.
Natürlich wäre 3♦-1 (-100) gegen 2♥ erfüllt (-110) eine billige Verteidigung (der Gegner wird auch selten kontrieren können). Bei der 7er Regel geht es aber nicht so sehr darum, präzise vorher zu sagen, wie viele Stiche Sie und der Gegner erzielen: Ihr Partner kann natürlich viele verschiedene Hände haben und die perfekten 7 Punkte sind nur eine der denkbaren Hände. Im Schnitt hat Ihr Partner aber etwa diese Hand. Die Regel soll helfen, Ihr Blatt verlässlich zu bewerten und die Erwartungshaltung Ihres Partners zu managen: Ihr Partner wird eine stärkere Hand als diese erwarten und Sie manchmal aus gehenden 3♦ in nicht gehende 3NT treiben oder 4♦ über 3♥ sagen, weil er einen Stich mehr erwartet. Es hat sich im Laufe der Zeit bewährt, gegenüber 7 perfekten Punkten auf einen gehenden Kontrakt zu hoffen und nicht auf einen Faller.
Anders betrachtet: Wenn Sie auf 7 perfekte Punkte hoffen, werden Sie schon oft genug einmal oder häufiger fallen, weil Ihr Partner nicht die perfekten Karten hat, auf lange Sicht sind Sie aber im richtigen Kontrakt, wenn Ihr Partner passt.

Board 3: Ost teilt, N-S in Gefahr

N
Süd
52
63
AK2
KD8753

 

 

 

 

In Board 3 ist es nicht so leicht, sich  7 passende Punkte zu überlegen. Sie könnten ♠ AK nehmen. Dann hätten Sie zwei Coeurverlierer, einen Karoverlierer und ein bis zwei Treffverlierer (gegenüber einem Double beim Partner), was 3♣ grenzwertig macht. Wenn Ihr Partner aber ♦ D und ♣ AB hat, hätten Sie drei Karo und sechs Treffstiche (also neun Stiche) von oben. Folglich können Sie 3♣ reizen.

Warum funktioniert die 7er Regel?

Diese Regel funktioniert in der Praxis erstaunlich gut. Die Theorie dahinter ist, dass sich die ausstehenden Punkte etwa gleichmäßig auf Ihren Partner und den nicht-reizenden Gegner verteilen, so dass Sie mit ein paar Punkten beim Partner rechnen können. Wenn Sie z. B. 14 Figurenpunkte haben und der rechte Gegner ein Weak Two in Pik eröffnet hat, hat er im Schnitt vielleicht acht Figurenpunkte. Dann teilen sich Ihr Partner und der andere Gegner 18 Figurenpunkte. Nicht jede dieser Karten ist nützlich, im Schnitt hat der Partner aber 7 nützliche Figurenpunkte.

Außerdem bringt Ihr Partner im Schnitt mindestens ein Drittel der ausstehenden Karten in jeder Farbe mit. Theoretisch sogar mehr, weil der Sperransagenreizende durch seine bekannte Länge in einer Farbe im Schnitt kürzer in den anderen Farben ist. Wenn Sie eine 6er Länge haben, hat Ihr Partner daher im Schnitt etwas mehr als 2,33 Karten (7/3).

Üben Sie die 7er Regel!

Zur Übung gebe ich Ihnen drei weitere Hände. Würden Sie reizen und wenn ja, was?

Board 4: Ost teilt, N-S in Gefahr

S
Süd
93
95
AD1097
AD83

 

 

 

 

Ost eröffnet 3Coeur. Was reizen Sie?

Wenn Ihr Partner die beiden Unterfarbkönige und den ♣ B hat, kommen Sie auf neun Stiche. Das ist etwas zu wenig für 4♦. Kontra (Takeout) zeigt Spielbereitschaft in allen Farben und würde daher mindestens 3 Pikkarten, eher 4 Pikkarten, zeigen.

Board 5: Ost teilt, N-S in Gefahr

S
Süd
AD83
9
AD1097
953

 

 

 

 

Ost eröffnet 3Coeur. Was reizen Sie?

Wenn Ihr Partner ♠ KB und den ♦ K hält, können Sie mit neun Stichen rechnen. 4♦ kommt daher stärkemäßig nicht in Betracht, die Verteilung (4er in der anderen Oberfarbe und eine Spielbereitschaft von mindestens drei Karten in allen Restfarben) legt aber ohnehin Kontra näher. Sie dürfen von einem Achtkartenfit in Pik ausgehen. Gegenüber einem 4er Pik mit passenden Figuren (♠ Kxxx und ♦ KB)
ist 3♠ ein guter Kontrakt. Folglich können Sie kontrieren, auch wenn es knapp ist.

Board 6: Ost teilt, O-W in Gefahr

S
Süd
B102
KDB97
863
AD

 

 

 

 

Ost eröffnet 2Pik(1). Was reizen Sie?
(1) Weak Two, 6er Pik und etwa 6 bis 10 Figurenpunkte

Wenn Ihr Partner z. B. das ♥ A und den ♣ K hätte, haben Sie sechs Verlierer in Pik und Karo.
Wenn Ihr Partner ♦ AK hätte, hätten Sie drei Pikverlierer, einen Coeur- sowie potenziell einen Karo- und einen weiteren Treffverlierer. Oder wenn Sie Ihre Gewinner zählen: vier Coeurstiche, zwei Karostiche sowie ein bis zwei Treffstiche. Sie kommen nicht einmal ansatzweise auf 9 Stiche. Folglich sollten Sie hier passen.
Wenn Sie sich das nächste Mal Bridge spielen, sind Sie besser gewappnet.

Weitere Artikel

Im nächsten Artikel wird es darum gehen, wie der Advancer (der Antwortende des Überrufenden) auf den Überruf reagiert. Hier gibt es einige Besonderheiten zu beachten.
Um die Effektivität Ihrer Weak Twos und anderer Sperransagen zu erhöhen, sollten Sie sich an der Regel von 2, 3 und 4 orientieren.

Um mehr über andere Konventionen oder andere Aspekte der Reizung zu erfahren, klicken Sie auf die jeweiligen Links.

2 responses... add one

Ein interessanter Beitrag. Nur verstehe ich nicht, warum im B2 das Gebot 2Pik heißen soll.
Wenn die 7F in den UF sein sollen, wird das doch ein grottenschlechter Pikfit. Allerdings:
3Karo – 1 (=100) gegen 2Coeur (=110) wäre ev. zu vertreten?

Danke für Ihren Kommentar. Karo und Pik habe ich vertauscht. Das habe ich ausgebessert.
Zu der Frage, ob man 3♦ für einen Faller sagen sollte (das habe ich jetzt auch im Text oben aufgenommen):
Natürlich wäre 3♦-1 (-100) gegen 2♥ erfüllt (-110) eine billige Verteidigung (der Gegner wird auch selten kontrieren können). Bei der 7er Regel geht es aber nicht so sehr darum, präzise vorher zu sagen, wie viele Stiche Sie und der Gegner erzielen: Ihr Partner kann natürlich viele verschiedene Hände haben und die perfekten 7 Punkte sind nur eine der denkbaren Hände. Im Schnitt hat Ihr Partner aber etwa diese Hand. Die Regel soll helfen, Ihr Blatt verlässlich zu bewerten und die Erwartungshaltung Ihres Partners zu managen: Ihr Partner wird eine stärkere Hand als diese erwarten und Sie manchmal aus gehenden 3♦ in nicht gehende 3NT treiben oder 4♦ über 3♥ sagen, weil er einen Stich mehr erwartet. Es hat sich im Laufe der Zeit bewährt, gegenüber 7 perfekten Punkten auf einen gehenden Kontrakt zu hoffen und nicht auf einen Faller.
Anders betrachtet: Wenn Sie auf 7 perfekte Punkte hoffen, werden Sie schon oft genug einmal oder häufiger fallen, weil Ihr Partner nicht die perfekten Karten hat, auf lange Sicht sind Sie aber im richtigen Kontrakt, wenn Ihr Partner passt.

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