Zweifärbergegenreizungen gegen Farberöffnungen auf 1er Stufe (Michaels und Ghestem)

Hier lernen Sie die in Deutschland und Österreich populären Zweifärberkonventionen Michaels und Ghestem (Michaels präzis) kennen. Wenn Sie überlegen, welche dieser Konventionen Sie spielen wollen, sollten Sie die anschließende Diskussion und Vertiefung lesen. Die Theoriediskussion hält noch an, welche Konvention besser ist. Wenn Sie wissen, was in der Schweiz Standard ist, würde ich mich über eine kurze E-Mail freuen.

Zunächst die Kurzfassung

Die in Deutschland populärste Variante („deutsches Michaels“):

Gegner Wir Bedeutung
(1♣) 2♣ 5+♠/5+♦♥ (Dies ist die Kurzschreibweise für einen Zweifärber mit mindestens fünf Piks und entweder 5+Coeurs oder 5+Karos.)
(1♣) 2NT 5+♦/5+♥, schwach oder stark
(1♦) 2♦ 5+♠/5+♣♥, schwach oder stark
(1♦) 2NT 5+♣/5+♥, schwach oder stark
(1♥) 2♥ 5+♠/5+♣♦, schwach oder stark
(1♥) 2NT 5+♣/5+♦, schwach oder stark
(1♠) 2♠ 2♠ 5+♥/5+♣♦, schwach oder stark
(1♠) 2NT 5+♣/5+♦, schwach oder stark

Erkennen Sie das Muster, welche Farben das CueBid und welche Farben durch 2NT gezeigt werden?

(1x) 2x (das CueBid) zeigt immer die höchste ungereizte Farbe und eine der beiden ungereizten Farben, schwach oder stark
(1x) 2NT zeigt immer die niedrigsten beiden ungereizten Farben

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Wenn Sie in Deutschland Bridge spielen, hören Sie oft, dass die CueBids gegen 1♣♦ als Michaels bezeichnet werden.
Beachten Sie, dass international (1♣) 2♣ als Michaels bedeutet, dass die Oberfarben gezeigt werden. Dies ist wichtig, wenn Sie bei BBO spielen.

In Österreich populärste Version (klassisches Michaels)

Gegner Wir Bedeutung
(1♣) 2♦ beide Oberfarben, schwach oder stark
(1♣) 2♣ natürlich, Gegenreizung auf 2er Stufe
(1♣) 2NT (1♣) 2NT 5+♦/5+♥, schwach oder stark
(1♦) 2♦ beide Oberfarben, schwach oder stark
(1♦) 2NT (1♦) 2NT 5+♣/5+♥, schwach oder stark
(1♥) 2♥ 5+♠/5+♣♦, schwach oder stark
(1♠) 2♠ 5+♥/5+♣♦, schwach oder stark
(1♥) 2NT 5+♣/5+♦, schwach oder stark
(1♠) 2NT 5+♣/5+♦, schwach oder stark

FORUM D 2015: Michaels Präzis

FORUM D 2015 Michaels Präzis (Ghestem), siehe im Buch über die Wettbewerbsreizung*.
Bei ungünstiger Gefahrenlage (Gefahr ./. Nichtgefahr) sollte man höchstens 6 Verlierer haben, bei gleicher Gefahrenlage (Gefahr ./. Gefahr bzw. Nichtgefahr ./. Nichtgefahr) höchstens 6,5 Verlierer, bei günstiger Gefahrenlage (Nichtgefahr ./. Gefahr) höchstens 7 Verlierer.

Gegen Unterfarberöffnungen

Gegner Wir Bedeutung
(1♣) 2♦ beide Oberfarben, schwach oder stark
(1♣) 3♣ 5+♠/5+♦, schwach oder stark
(1♣) 2NT 5+♦, 5+♥, schwach oder stark
(1♦) 2♦ beide Oberfarben, schwach oder stark
(1♦) 3♣ 5+♠, 5+♣, schwach oder stark
(1♦) 2NT 5+♣, 5+♥, schwach oder stark

Erkennen Sie hier das System?

  • 2NT zeigt immer die niedrigsten ungereizten Farben.
  • 2♦ zeigt beide Oberfarben.
  • 3♣ zeigt immer den verbleibenden Zweifärber.

Gegen die Oberfarberöffnungen hat das Cue-Bid eine andere Bedeutung:

Gegner Wir Bedeutung
(1♥) 2♥ zeigt Piks/Treffs, schwach oder stark
(1♠) 2♠ zeigt Coeurs/Karos, schwach oder stark
(1♥) 2NT zeigt beide Unterfarben, schwach oder stark
(1♠) 2NT zeigt beide Unterfarben, schwach oder stark
(1♥) 3♣ zeigt Piks/Karos, schwach oder stark
(1♠) 3♣ zeigt Coeurs/Karos, schwach oder stark

Merke:

  • Gegen die Oberfarben zeigt das Cue-Bid die höchste ungereizte und die niedrigste Farbe.
  • 2NT zeigt immer die niedrigsten ungereizten Farben.
  • 3♣ zeigt die restlichen Zweifärber.

Details

Was gibt es bei der Folgereizung zu beachten?

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
1
2
Pass
?

Es gibt zwei Varianten, was hier Süds Gebote von 2NT und 3♣♦ bedeuten.
Variante 1) 2NT zeigt etwas Interesse am Vollspiel, 3♣♦ sind pass or correct.

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
1
2
Pass
1NT
Pass
?
 
 

Die Antworten auf 2NT sind dann typischerweise:

Gebot Bedeutung
3♣ schwach mit Treff als zweiter Farbe
3♦ schwach mit Karo als zweiter Farbe
3♥ schwach mit Treff als zweiter Farbe, aber Maximum im Kontext
3♠ schwach mit Karo als zweiter Farbe, aber Maximum im Kontext

Variante 2) 2NT sucht die Unterfarbe und 3♣♦ zeigen diese Farbe (to play mit guter Farbe).

Besonderheiten bei der Folgereizung, wenn der Zweifärber mit 2♣♦ gezeigt wird

Generell kann man sich gut an das LAW halten. Wenn man weiß, dass man neun Trumpfkarten hat, kann man sich auf die 3er Stufe begeben, mit zehn Trumpfkarten ist die 4er Stufe sicher. Wenn Sie mehr über das LAW erfahren wollen, sollten Sie sich unbedingt Larry Cohens englischsprachiges Buch* hierzu durchlesen. Es ist ein echter Klassiker mit über 90.000 verkauften Exemplaren.

Folgereizung nach (1♣) 2♣, wenn 2♣ beide Oberfarben zeigt.

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
1
2
Pass
2

Marty Bergen (der in den 80er Jahren als der führende Experte für kompetitive Reizungen galt und damals der Partner von Larry Cohen war) schlägt in seinen Buch über kompetitive Reizung (das es derzeit nur gebraucht für horrende Summen* gibt) hier 2♦ noch als to play vor. Ich denke, das ist mittlerweile überholt. 2♦ sollte nach der längeren Oberfarbe fragen. Unklar ist, ob der Gegenreizer dann mit gleicher Länge immer 2♥ antwortet oder seine bessere Farbe zeigt.
2NT vom Responder über einen definierten Zweifärber kann entweder als natürlich mit Misfit gespielt werden (zeigt etwa 13-14 Figurenpunkte) oder als Ogust-artiges Fragegebot.

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
1
2
Pass
2NT
Pass
?
 
 

(Angenommen 2♦ zeigt beide Oberfarben)

Gebot Bedeutung
3♣ Minimum, längere/bessere Coeurs
3♦ Minimum, längere/bessere Piks
3♥ Maximum, längere/bessere Coeurs
3♠ Maximum, längere/bessere Piks
3NT die starke Variante

Welche Varianten gibt es zu den oben genannten populären Methoden?

– Eine Variante ist es, gegen die 1♣-Eröffnung 2♣ als exakt 54 in den Oberfarben (5♠4♥ oder 5♥4♠) zu spielen, woraufhin 2♦ nach der längeren Oberfarbe fragt. Ein Sprung in 2♦ zeigt 55 oder länger in den Oberfarben. Dies gibt das natürliche 2♦-Sperrgebot auf, auf das ich nur ungerne verzichten würde.
– Eine Ghestem-Variante ist es, auf die 1♦-Eröffnung mit 3♦ statt mit 3♣ beide Oberfarben zu reizen.
Dies hat den Vorteil, dass man (1♦) – 3♣ als lang und schwach mit Treff behalten kann und den Nachteil, dass man nicht herausfinden kann, welche Oberfarbe länger ist. Nach (1♦) – 3♣ – p – hätte man sonst das 3♦-Gebot, um nach der längeren Oberfarbe zu fragen.
– Eine andere Variante modifiziert die Stärke. Der Zweifärber ist nicht mehr schwach oder stark („mit Loch“), sondern beinhaltet jede Hand ab einer gewissen Mindeststärke („ohne Loch“).
Dies hat den Vorteil, dass man die Verteilung direkt zeigen kann. Außerdem muss man dann nicht so genau absprechen, was bei „schwach“ eine genaue Obergrenze ist.

Der Gegner eröffnet 1♦, keiner in Gefahr:

N
Nord
AD432
AD874
7
65

Mit dieser Hand sollten über 1♦ leichter mit 1♠ anfangen sollte, um später die Coeurs auf 2er Stufe hinterzureizen bzw. zum Vollspiel einzuladen, wenn der Partner in 2♠ hebt. Nach einem Cue-Bid ist die Hand eigentlich zu schwach, um freiwillig auf 3er Stufe zu reizen.
Wenn Sie sicher erkennen können, welche Hände für eine freiwillige Weiterreizung auf 3er Stufe geeignet sind, und welche Hände besser mit einem Überruf auf 1er Stufe beginnen sollten, ist es besser, ohne Loch zu spielen, ansonsten ist schwach oder stark in der Praxis besser.

Wie sieht die genaue Stärke aus?

Wenn Sie pauschal mit 6-10 Figurenpunkten einen Zweifärber reizen, können Sie sich gleich vom Bridgetisch erheben und die nächste Guillotine suchen.

Bridge ist kein einfaches Spiel. Sehr viele Faktoren spielen Rolle: Die genaue Stärke hängt davon ab, wie die Gefahrenlage ist, wie gut die Mittelkarten sind, ob man 10 oder mehr Karten in den beiden langen Farben hat, wie stark die Gegner sind, ob man Paarturnier oder Team spielt und wie viele der Farben man später noch auf der 2er Stufe spielen kann. Wichtig ist vor allem auch, ob die Punkte in den Farben sind oder außerhalb. Punkte außerhalb erhöhen das eigene Defensivpotenzial (der Gegner kann nichts erfüllen), ohne notwendigerweise das eigene Offensivpotenzial gleichermaßen zu erhöhen.

Da Sie dem Gegner die Verteilung verraten und angesichts Ihres Zweifärbers die Trümpfe für den Gegner oft schlecht stehen, sollte Ihre Hand so stark sein, dass Sie gegenüber einer passenden Partnerhand auch um den Kontrakt mitspielen oder zumindest eine billige Verteidigung in Frage kommt.

Verliererzählung

FORUM D 2015 (Link zum Buch*) gibt als Richtlinie vor:
– in ungünstiger Gefahrenlage höchstens 6 Verlierer
– bei gleicher höchstens 6,5 Verlierer
– bei günstiger höchstens 7 Verlierer
(wobei hier die Verliererzählung nicht dem internationalen Standard entspricht, sondern auf einer Gefühlsabschätzung beruhen, A9xxx werden als 2,5 Verlierer bezeichnet, DB10xx als 2 Verlierer. Dies erscheint der Sache nach gerechtfertigt).
Mit sehr guten Mittelkarten und beiden Oberfarben ist ein Minimum in Nichtgefahr vielleicht K109xx DB10xx x xx.
Wenn ich 2NT gegenreize (und damit auf die 3er Stufe gehen muss), kann mein Partner von 11 Karten in den Restfarben ausgehen oder sehr schönen Farben, wenn ich nur 5-5 bin, vielleicht x xx KD109x KD109x oder besser.

N
Nord
AK543
9
92
D10932

Diese Hand ist etwa ein Minimum für eine 2♥-Gegenreizung nach einer 1♥-Eröffnung in Nichtgefahr. Nach 2♥ riskiert man die 3er Stufe, wenn der Partner keinen Pikfit hat. In Gefahr würde ich mich mit dem ♠ B oder ♠ 109 wesentlich wohler fühlen.

Soll man auf (1♣) 2♣ oder 2♦ als Zweifärber spielen?

Mein persönlicher (nicht mathematisch gestützter) Eindruck ist, dass (1♣) – 2♦ als schwach mit Karo einen enormen Sperreffekt hat. Dem Gegner wird die komplette 1er Stufe genommen und er muss noch einen Oberfarbfit in zwei möglichen Oberfarben untersuchen und die Karo-Stopper-Situation im Auge behalten.
Sabine Auken schlägt in Ihrem durchaus lesenswerten englischsprachigen Buch „I love this Game*“ vor, aufgrund des großen Sperreffekts (1♣) 2♦ als wide-ranging zu spielen, um vom Sperreffekt maximal zu profitieren.
Auf (1♣) 2♣ als natürlich kann man meiner Meinung nach leichter verzichten, weil man mit guten Treffs später immer noch eine zweite Chance bekommt.
Wie zeigt man später die starke Variante?
Wenn Sie mit Loch spielen, ist die Unterscheidung schwach/stark relativ einfach. Mit der schwachen Hand passen Sie, mit der starken Hand kontrieren Sie, wenn Sie ein Strafpass vom Partner aushalten. Ansonsten heben Sie den Partner oder geben ein anderes Gebot (z. B. ein Cue Bid) ab.

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
1
2
3
Pass
Pass
Dbl

Das Kontra sagt> „Ich habe die starke Variante, wenn Du passen kannst, ist es okay.“

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
1
2
3
Pass
Pass
3

3♠ bedeutet: „Ich habe die starke Variante, will aber nicht, dass Du 3♥ passt. Ich verspreche keine Extralänge in Pik.“

Kann man mit 54 beide Oberfarben reizen?

Was würden Sie mit dieser Hand in Nichtgefahr/Gefahr auf Gegners 1♣ reizen?

N
Nord
DB104
DB954
8
843

Find this paragraph and over-write it to change the text BELOW the diagram.

Marty Bergen schlägt in seinem exzellentem Buch (aber leider gerade völlig überteuert*) 2♣ vor. Das erscheint mir schon extrem zu sein.

Die Vor- und Nachteile von Ghestem (Michaels präzis)

Nachteile:
– Ghestem wird erfahrungsgemäß oft vergessen, vor allem, dass 3♣ der Zweifärber ist.
Das Vergessen nimmt zwei Varianten an:

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
1
3
Pass
?

Sie denken nicht daran, dass Ihr Partner Piks und Karos hat.
oder
Reizen Sie 3♣ mit dieser Hand (keiner in Gefahr) nach Gegners 1♥-Eröffnung?

N
Nord
432
6
K8
KDB10832

Sie wollen über Gegners 1♥ – 3♣ reizen, nehmen das 3♣-Gebot in die Hand und schon ist es passiert. Selbst wenn Ihnen jetzt noch einfällt, dass 3♣ künstlich ist und Ihr Gebot wieder zurückstecken, übermitteln dem Partner eine unerlaubte Information.
– Bei Ghestem verlieren Sie das natürliche 3♣-Sperrgebot, das durchaus effektiv sein kann und häufiger als ein spezifischer Zweifärber vorkommt. Gerade (1♦) – 3♣ hat einen enormen Sperreffekt.
– Mit Piks und Karos können Sie über 1♥ nicht mehr 2♥ sagen und dann 2♠ spielen, sondern müssen 3♣ sagen (oder alternativ 1♠).

Vorteile von Ghestem/Michaels Präzis:

W
West
N
Nord
E
Ost
S
Süd
1
2
4
?

Ihr Partner hält:

S
Süd
K3
8653
A2
K9764

Wenn Ihr Partner weiß, dass Sie 5♠ und 5♣ haben, wird seine Hand riesig, Sogar 6♣ oder 7♣ können leicht gehen. Wenn Sie 5♠ und 5♦ haben, möchte er lieber 4♥ im Kontra spielen. Die Hand ist dann ein partieller Misfit.
Bridge kann grausam sein, weil die Fehlentscheidung richtig teuer werden kann. Wenn Sie Michaels präzis/Ghestem spielen, fühlt sich Bridge in dieser Hand wie ein wundervolles Spiel an.

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